Das Elternhaus der narzisstischen Mutter – Teil 1
- Helena Pfleiderer
- 1. März
- 4 Min. Lesezeit
Wenn ich von Narzissten spreche, meine ich beide Geschlechter, denn es gibt sehr wohl auch Narzisstinnen.

In diesem Blogbeitrag werden wir uns angucken, aus welchem Elternhaus eine narzisstische Mutter kommt, bzw. was für Eltern bei ihrer Tochter Narzissmus fördern. Mag sein, dass Narzissmus teilweise genetisch bedingt ist, aber größtenteils – so meine Meinung – fördert die Erziehung und die Prägung durch die engsten Bezugspersonen, welche in den meisten Fällen die Eltern sind, den Entstehung von Narzissmus. Es gibt verschiedene Konstellationen. In dieser Blogreihe werde ich Ihnen die wichtigsten Kombinationen von Persönlichkeitstypen der Eltern der narzisstischen Mutter vorstellen. Heute besprechen wir folgende Konstellation:
1. Konstellation des Elternhauses der narzisstischen Tochter: Vater als grandioser Narzisst und Mutter als Empathin
Ich stelle Ihnen dieses Elternhaus vor: der Vater als grandioser Narzisst hat ein eigenes Unternehmen oder eine leitende Position in einem großen Unternehmen und ist beruflich sehr erfolgreich, genießt ein hohes Ansehen und erzielt ein hohes Einkommen. Der Beruf hat für ihn höchste Priorität, die Familie ist nur das Aushängeschild. Er verbringt fast sein ganzes Leben in der Firma, macht Überstunden, ist immer beschäftigt, oft auf Geschäftsreisen. Seine Tochter sieht ihn meist nur am Wochenende und unter der Woche nur ganz kurz zum Gute-Nacht-Geschichte lesen. Diesem Mann ist sein Image besonders wichtig, was aber nicht heißt, dass er nicht Affären pflegt. Er braucht die Bestätigung auch außerhalb seiner Ehe.
Dieser narzisstische Vater ist emotional für seine Tochter nicht verfügbar. Die Tochter bemüht sich stets um Liebe und Aufmerksamkeit seitens des Vaters, jedoch vergebens. Der Vater schenkt ihr nur ab und zu seine an Bedingungen geknüpfte Liebe und zwar, wenn er Zeit hat und wenn sie was Besonderes geleistet hat. Im Prinzip ist ihm die Tochter – so wie alle anderen Menschen in seinem Leben – egal. Es geht ihm nur um das Ansehen der Familie und dieses muss nach Außen makellos sein.
Die emphatische Mutter dieser Tochter macht diesen „Zirkus“ ihres Ehemanns mit, ist meistens von ihm finanziell und emotional abhängig. Oft hat sie ihre Karriere ihrem Mann zuliebe geopfert, da er ihr in jungen Jahren versprochen hat, sich um die Familie zu kümmern, ein Haus zu bauen, so dass sie sich zurücklehnen könne und „nur“ noch als Hausfrau und Mutter zu agieren. Er würde sie in aller Hinsicht beschützen und für sie da sein. Solche Frauen geben ihr Studium auf, weil sie sich fürs Kinderkriegen entscheiden und nehmen es nicht mehr auf. Oder sie führen ihren Beruf in Teilzeit, haben aber ein im Vergleich zu ihrem Mann viel geringeres Einkommen, welches sie zu 100% zur Familienkasse beitragen, wobei ihr Mann - heimlich oder offen – ein Teil seines üppigen Gehaltes für sich spart bzw. irgendwo anlegt. Im Falle einer Scheidung gehen diese Frauen meistens leer aus bzw. trauen sich diesen Schritt ab einem gewissen Alter gar nicht mehr zu, wenn sie davon ausgehen müssen, keinen Job mehr zu bekommen bzw. vom Wohlstand in die Armut abzurutschen.
Die emphatische Mutter lässt sich von ihrem Mann alle Arten der narzisstischen Gewalt – von emotionaler, bis hin zur finanzieller oder gar körperlicher und sexualisierter Gewalt - gefallen lassen. Sie kann sich nicht wehren, sie befindet sich in einer Sackgasse. Sich wehren und Grenzen setzen würde alles nur noch schlimmer machen, also bleibt ihr nichts anderes übrig, als die Demütigungen zu ertragen. Oft haben solche Frauen kleine „Inseln der Freiheiten“, im Rahmen dessen sie ungehindert agieren können, z.B. eine Beschäftigung in einem Wohltätigkeitsverein oder eine Position als Elternfürsprecherin in der Schule ihrer Kinder. Das ist vom Narzissten so gewollt, damit diese Frau in der Ehe bleibt, indem sie sich vormacht, doch noch genug Freiheiten zu haben.
Was passiert mit der Tochter dieses Ehepaares?
Die Tochter erlebt die Mutter als schwach, da sie alle diese Demütigungen durch den Vater erträgt und trotzdem in der Ehe bleibt. Wenn die Tochter in ihrem kindlichen Narzissmus bleibt, dann spaltet sie das Mitgefühl für ihre Mutter ab und bleibt im Für-sich-sorgen Modus. Sie spürt keine Traurigkeit für die Mutter, sondern lehnt sie ab oder verachtet sie sogar. Sie läuft emotional dem Vater hinterher, entschuldigt ihm jedes schlechte Verhalten, auch körperliche Gewalt und ist davon überzeugt, dass z.B. seine Gewalt nötig sei, um die Mutter oder auch sie selber (wenn der Vater auch die Tochter schlägt) zur Vernunft zu bringen. Die narzisstische Tochter sieht ihre Eltern in schwarz-weiß: der grandios-narzisstische Vater ist der Gute, die empathische Mutter ist die Schlechte.
Welche Mutterrolle wird diese Tochter später einnehmen?
Die narzisstische Tochter, die schon als Kind ihre Gefühle abgespalten hat, wird später als Mutter nicht in der Lage sein, Zugriff auf ihre Gefühle gegenüber ihren eigenen Kindern zu haben. So wie ihr eigener Vater wird sie die Liebe an ihren Kindern an Bedingungen knüpfen und nur dann lieben, wenn die Kinder ihre Funktion als Aushängeschild der Familie erfüllen. Sie wird ihren Kindern Rollen geben und unterschiedlich behandeln. Das goldene Kind wird auf dem Sockel gestellt und verehrt. Das schwarze Schaf wird abgelehnt und bestraft. Und so zieht sich der transgenerationale rote Faden von dysfunktionalen toxischen Familien von Generation zu Generation weiter bis im besten Fall ein mutiger Emphath oder Empathin diesen Faden durchtrennt, indem er/sie sich weigert, dieses Muster fortzuführen. Im Enddefekt entscheidet sich der Empath gegen eine Verbindung/Ehe zu einem Narzissten.
In meinen nächsten Blogbeiträgen zu diesem spannenden Thema werden wir uns weitere Konstellationen eines Elternhauses narzisstischer Mütter angucken. Bleiben Sei dabei! Wenn Ihnen meine Beiträge gefallen und Sie Interesse haben, mit mir zusammen therapeutisch zu arbeiten, können Sie mich gerne kontaktieren.




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